Madeira, Teil 3:

  1. Rundreise, in den Südwesten der Insel

Neben dem Botanischen Garten kann auch noch der Tropical Garden besichtigt werden. Der Palheiro Garden, das Anwesen der Weinhändlerfamilie Bländy, ist ein weiterer Gartenschatz und einen Besuch wert. Neben diesen großen Gärten sind noch zahlreiche kleinere Villengärten zu bestaunen.

Um die Insel genauer zu erkunden, mache ich 3 Rundreisen. Ich möchte, in jede Richtung, die möglichen Sehenswürdigkeiten erkunden.

An jeder Hotel-Rezeption oder im Shop an der Straße, kann man Rundreisen oder Wanderungen buchen. Die Reiseführer holen mich jeweils vor dem Hotel ab und setzen mich nach der Fahrt dort wieder ab. Wir fahren mit einem Bulli die Küstenstraße links herunter, das ist der Südwesten der Insel.

 Nach einer Weile lassen wir die Hotels an der Küstenlinie zurück. Die Landschaft wird ländlicher, je weiter wir nach Westen kommen. Jetzt dominiert die Landschaft mit den vereinzelten Häusern, den Terrassen-Feldern, alle am Hang gelegen. Wie mühsam muss die Bewirtschaftung sein. Alles muss immer bergauf und bergab getragen werden. Später sehe ich, auf einer anderen Tour, ein sehr großes Terrassenfeld, das sich über einen ganzen Berghang erstreckt. Da gab es im Hangverlauf kleine Nurdachhütten, für die Einlagerung der Geräte oder der Feldfrüchte.

Mir fällt auf, dass die Straßen keinen Randbereich haben. Das Ende der Fahrbahnbreite wird durch weiße Steinblöcke angezeigt. Anschließend beginnt das Feld, der Abhang oder die Einfahrt zu den Häusern.

Wir durchfahren einzelne größere Orte, auch hier ist man auf Tourismus eingestellt. Erster Halt ist in Camara de Lobos, dort bekommen wir Zeit, um eine Kirche zu besichtigen. Der Weg zum

Eingang der Kirche ist mit schwarzen und weißen Kieselsteinen ornamental gepflastert. Die Innenansicht der Kirche ist  ungewohnt. Üppige, detailreiche Verzierungen und Schnitzereien, vergoldet und mit Kachelbildern geschmückt. Mein Reiseführer nennt den Stil Manuelische Baukunst. Von dem Regenten Manuel I., der diesen Stil geprägt hat und der viele Kirchen nach der vorherrschenden Mode umgestaltete.

In Ribeira Brava besichtigen wir noch eine Kirche. Auch hier ist der Kirchplatz besonders gestaltet. Ein ornamentales Muster zieht sich über den gesamten Kirchplatz. Der Kirchturm ist mit blau-weißen Azulejokacheln dekoriert. Sehenswert ist auch das barocke, von vergoldeten Schnitzereien gerahmte, Altarbild.

Der nächste Halt ist der Cabo Girao. Das ist eine senkrecht abfallende Steilküste. Sie soll  580 m hoch sein und ist damit die höchste Steilküste Europas. Ein Skywalk, mit einem Glasboden, reicht über diese Klippe hinaus. Unten, auf Meereshöhe, sieht man bepflanzte Felder. Es gibt einen Aufzug, der fast senkrecht hinunterfährt. Früher nur für die Arbeiter der Felder und deren Ernte, heute auch für Touristen. Vom Skywalk hat man einen schönen Blick, die ganze Küstenlinie entlang

Bild: Martha Holtmann
Bild: Martha Holtmann

Auf dem Weg nach Porto Moniz kommen wir an einer Stelle vorbei, an der unser Reiseleiter besonders langsam fährt. Er ruft: Wagenwäsche! Wir stehen im Wasserstrahl eines Wasserfalls, der über einen Hang direkt auf die Straße prasselt.

 Der nächste Haltepunkt ist Porto Moniz. Dieser Ort ist für sein Freibad bekannt. Natürliche Lavabecken sind begehbar gemacht und in ein Gesamtkonzept eines Freibades integriert worden. Bei entsprechendem Wellengang, schwappt das Meerwasser in diese Becken hinein. Madeira selbst hat nur an wenigen Stellen einen Badezugang zum Meer. Es gibt aber, ganz in der Nähe und mit der Fähre zu erreichen, eine Badeinsel.

 Zum Schluss bietet unser Reiseleiter uns noch eine kurze Levada – Wanderung an. Levadas sind gemauerte Rinnsale. Sie fangen die Feuchtigkeit und Niederschläge der Passatwinde auf, die an den Bergen ihre Feuchtigkeit abgeben. Das Wasser wird, über ein natürliches Gefälle, zu den Feldern und Häusern geführt. Früher sind Levadagänger die Kanäle abgegangen, um sie immer im Fluss zu halten. Sie haben auch die Zuteilung des kostbaren Wassers geregelt. Heute werden die Wegstrecken entlang der Levadas von Touristen begangen und haben unterschiedliche Schwierigkeitsgrade.

Unser Bulli schraubt sich einen Berg hinauf. Schon bald sieht Porto Moniz wie ein Spielzeugland aus, so klein und fern ist es. Wir kommen aus der Sonne in einen wolkigen, diesigen Bereich.

Dann durchstoßen wir die Wolkendecke und es herrscht strahlender Sonnenschein. Wenn ich mich unter meinen Mitreisenden umschaue, dann sehe ich freudige Gesichter und Überraschung. Wir sind fast auf dem Gipfel angekommen. Mich erfasst eine Art Gipfelglück. Beschwingt mache ich mich auf den Weg. Immer wieder bleibe ich stehen, nehme die Landschaftsbilder in mich auf. Zahlreiche Fotos werden gemacht, um auch später Erinnerungen auffrischen zu können.

 Am nahen Eingang zur Levada steigen wir aus und haben jetzt eine dreiviertel Stunde Zeit für unseren Gang über den Wolken. Weiter unten sehe ich Wolkenfelder gegen den Berg anbranden. Dort irgendwo muss der historische Lorbeerwald sein. Der Lorbeerwald, der die Feuchtigkeit der Wolken brauch.

 Es erfüllt mich immer wieder mit Staunen, wie in der Natur alles zusammenwirkt und einander bedingt.

Wie herrlich hier gehen zu können. Dieser Gang über den Wolken ist mein Highlight des Tages.

A.MO